ein kleines Bierwunder

Bier brauen
© Wildkraut & Wanderschuh

Bier und ich sind inkompatibel. Wie Feuer und Wasser. Wir können einfach nicht mit-
einander. Im Biergarten bin ich jedenfalls diejenige, die den meist ungenieß-
baren Wein, trotz allem dem Bier vorzieht.

Als vor einigen Wochen eine Einladung des Oberösterreichischen Tourismusverbandes zu einer Pressereise zum Thema ‚Knödel und Bier‘ in’s Haus flatterte, wollte ich fairerweise wegen meiner tief verwurzelten Bier-Antipathie absagen. Nichtsdestotrotz durfte ich dennoch mitfahren. Zum Glück!

Die Reise, welche in Linz, der Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Oberösterreich begann, führte an kulinarische Hotspots in Linz, an den Traunsee im Salzkammergut und weiter in’s Mühlviertel (im 3-Ländereck Österreich, Bayern, Böhmen) und bescherte uns österreichische Tapas, Linzer Torte und mehr Knödel, als Irgendjemand in 3 Tagen jemals essen kann plus eine große Auswahl Biere.

1. Stop war die Traditionsbrauerei Eggenberg. Hier wird bereits seit 1681 gewerblich Bier gebraut. Trotz zweimaliger Zerstörung durch Brände, ist das Gehöft eine gelungene Verschmelzung charmanter alter Architektur und moderner Brauanlagen. In der im 19. Jh wieder errichteten Kapelle kann man sich bei Bedarf vermählen und in den romantischen Gewölben nebenan feiern.
Frau Kaufmann, führte uns durch alte und moderne Gemächer, erläuterte die Firmenhistorie und verköstigte uns anschließend mit Würsten, Brezeln und hauseigenem Bier. Da es noch früh am Tag war, probierten wir lediglich 2 leichte Sorten und den erfrischenden Radler mit Holunder-Limettengeschmack. Den Rest unter anderem das Spezialbier Samichlaus, welches nur einmal jährlich am 6. Dezember gebraut wird, sollte es als Begleitung zum Knödelworkshop am Abend geben.

Brauerei Eggenberg in Oberösterreich

Die Eggenberg-Brauerei war übrigens die 1. Brauerei in Österreich, die alkoholfreies Bier gebraut hat und Tochter ‚Eggenberg International‘ exportiert Spezialbiere (wie den Samichlaus) in 40 Länder, darunter Westeuropa, Singapur, Japan und China.
Der Samichlaus aus dem Jahr 2004 hat beim World Beer Cup 2012 in der Kategorie ‚Aged Beer‘ gerade erst die Goldmedaille abgeräumt.

österreichisches Bier

Nachdem wir am Nachmittag Unmengen Knödel unter der Obhut und Anleitung von Ingrid Pernkopf, der Knödel-Queen vom Traunsee gebastelt hatten (dazu mehr in einem seperaten Artikel) verspeisten wir Selbige, begleitet von den Bieren der Eggenberg Brauerei. Und dort geschah es dann, mein kleines persönliches Bierwunder…
Während ich alle anderen Biere mehr oder wenig aus Höflichkeit annippte, fand ich am Lagerbier Samichlaus regelrecht Gefallen. Wer hätte das gedacht!!!
Zum Dessert, Topfenknödel mit diversen süßen Füllungen, passte das ziemlich süße Bier jedenfalls sehr gut. Ich war dermaßen überrascht (von Bier und mir gleichermaßen), dass ich sogar eine Flasche mit nach Berlin schleppte.

Bier aus Österreich

Bier begleitete uns auch in den darauf folgenden Tagen auf Schritt und Tritt. Im Biergasthaus Schiffner in Aigen (mit richtig chicen Pensionszimmern) schmeckten wir uns am Samstag Abend durch ein Bier-Culinarium.
Karl Schiffner, ehemaliger Weinsommelier hat sich, passend zur Region Oberösterreich auf Biere spezialisiert. Bei der alle 2 Jahre stattfindenden Bier-Sommelier-Weltmeisterschaft hat er den Titel des 1. Bier-Sommelier-Weltmeisters gewonnen.

Beim Bier-Culinarium werden die Gäste mit Knödelvariationen (was sonst?) und zu jedem Gang anderem Bier verwöhnt.
Geschmacklich hat mir das Honigbier am besten geschmeckt, aber das spannendste war das gestachelte Bier.
Früher haben Schmiede im Winter ihr eiskaltes Lagerbier aufgewärmt, indem sie glühend heiße Schmiedeeisen in’s Bier tauchten. Dabei karamellisiert der enthaltene Zucker etwas und der Geschmack des Bieres wird etwas samtiger. Auf jeden Fall ein Highlight, dem glühend heißen Eisen zuzuschauen, wie es Bier und Schaum in Wallung bringt…

Suchen : Bier kombiniert: Das passende Bier zu jeder Speise
 

Damit wir nicht nur lernen, wo und wie oberösterreichisches Bier gebraut wird, fuhren wir am letzten Tag unserer Reise hinaus zum Hopfenbauern.
Es gab, welche Überraschung, Knödel und Bier. Dazu eine Führung durch das private Hopfenmuseum und raus auf’s Feld. Obwohl nur mäßig spannend, habe ich allerlei zuvor nicht gewusstes über den Hopfenanbau gelernt. Zum Beispiel, dass nur weiblicher Hopfen angebaut wird und die männlichen Exemplare nicht nur nicht gern gesehen sind, sondern regelrecht ausgerottet werden. Der Lupolin-Wert ist Qualitätsmerkmal und Frau Hopfen wächst nur im Uhrzeigersinn. Dabei trinkt die Diva Unmengen Wasser, bevorzugt kühle Nächte und wächst bis zu 35 cm am Tag.

Im Mühlviertel wird seit 1000 Jahren Hopfen angebaut. Vor dem Krieg war die Anbaufläche von ca. 1000 ha auf nur 35 ha geschrumpft. Durch einen Reichserlass wurde während der Nazi-Zeit der gesamte Hopfenbestand gerodet. Nach dem Krieg wurde erneut Hopfen angebaut und die Verarbeitung in den 70er Jahren weitestgehend automatisiert. Der zur Zeit von 42 Hopfenbauern angebaute Hopfen aus dem Mühlviertel ist wegen seines hohen Lupolin-Gehaltes begehrt und kommt in vielen Brauereien in Österreich und Bayern zum Einsatz.

Zorras Reisebericht Teil I

veröffentlicht am: 25.05.2012

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4 Kommentar(e)

  • Das finde ich ja klasse, dass Du das Bier doch gekostet hast und offensichtlich gab’s Unterschiede und sogar Biere, die Dir schmeckten. Das nenne ich professionelles Reportertum… 😉

    Liest sich schön – knödelig und bierig. Oberösterreich ist auch eine tolle Gegend, finde ich, mit netten Menschen. Da habt Ihr glaube ich einen guten Einblick gewinnen können.

    • Ja, ja läster Du nur… 😉

      War wirklich schön. Wenn ich nicht etwas wegen meines bevorstehenden Auftrittes beim aid-Forum unter Druck gestanden hätte (ist mir wohl etwas auf den Magen geschlagen) hätte ich möglicherweise sogar alle zur Disposition stehenden Knödel geschafft…

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