PflückStück: Spitz-Ahorn

Ostereier kann Jeder. Bärlauch mittlerweile auch. Wie wäre es, beim obligatorischen Osterspaziergang nach dem unter dem vorjährigen Laub von Ahornbäumen (egal ob Bergahorn, Spitzahorn oder Feldahorn) hervorlugenden Ahorn-Keimen Ausschau zu halten? Entweder sie kringeln sich in kühleren Lagen soeben erst aus der nasenförmigen Samenhülle oder sind weiter südlich bereits im Boden verankert und recken auf roten Stengelchen ihre von den Samenhüllen befreiten Köpfchen in die Höhe.

Ahorn-Sprossen
Ahorn-Sprossen
© Wildkraut & Wanderschuh

Ist der Frühling schon einen Ticken weiter fortgeschritten, treibt der Spitzahorn seine markanten, großen gelblich-grünen Blüten hervor. Auch diese sind kulinarisch nicht zu verachten. Ebensowenig die alsbald folgenden jungen, zarten Blätter und jungen Früchtchen.

Der Ahorn spielte in der Volksheilkunde seit Jeher eine wichtige Rolle zur Wundheilung und diente als Ahornsirup den nordamerikanischen Ureinwohnern als Nahrungsquelle. Auch wurden die Blätter des Ahorns offenbar früher wie Sauerkraut eingelegt. Immerhin enthalten die frischen Blätter und Blüten Kalium, Calzium, Magnesium, Mangan, Eisen und Zucker, sowie 5% Eiweiß. In Notzeiten diente der Ahorn Mensch und Tier als Notnahrung und Protein-Quelle.

Verwendung von Spitz-Ahorn:

Baumsaft: Der bekannte Ahornsirup wird durch Anbohren des Stammes gewonnen. Von März bis April kann man durch Anritzen der Rinde den süßlichen Baumsaft gewinnen. Dabei sollte man stets im Auge behalten, dass das Verletzen der Rinde dem Baum schadet und dies deshalb nur maßvoll geschehen sollte. Den Baumsaft kann man frisch trinken, oder zu Wein, Essig und Sirup weiter verarbeiten.

Ahorn-Sprossen: Die etwas bitter schmeckenden Sprossen (Keimlinge) kann man aufs Butterbrot bröseln, an einen Salat oder als Würze an Speisen geben, bzw. auch einlegen. Die frischen Keimsprossen haben einen herben, kräftigen Geschmack und sind reich an Inhaltstoffen. Stecken die Sprossen noch in der braunen den Samen umschließenden Haut fest, weicht man die Sprossen in Wasser ein. Dann lassen sich die Häutchen leicht abziehen.

Ahorn-Blüten: Die üppigen, etwas klebrigen, süßlich schmeckenden Blütenbüschel des Spitzahorns machen sich gut als Salat, können aber auch direkt aus roh geknabbert werden. Zudem lassen sie sich zu Ahornblütensirup verwandeln.

Ahorn-Blätter: Die jungen zarten Blätter und Blattstiele passen in grüne Salate ebenso wie in Suppen oder Gemüsegerichte. Getrocknet gibt man sie im Winter in Suppen.

Ahorn-Früchte: Die hellgrünen nasenförmigen Flügelfrüchte kann man – noch unreif und zart – direkt nach der Blütezeit in Salzlake oder Gewürzessig als Pickles einlegen.
Die ausgereiften Samen können von Juni bis September herausgelöst und mit Gemüse gekocht bzw. wie Pickles eingelegt werden.

Ahorn erkennen:

Nach Ahornbäumen hält man am Besten Ausschau, wenn das Laub dran ist oder aber zur Blütezeit. Man erkennt den Ahorn an der typischen gezackten symmetrisch wirkenden Blattform.

Ahornblatt
Ahornblatt
via Wikimedia Commons

Die Blütenbüschel des Spitzahorns sind im April ebenfalls leicht zu erkennen. Sie sind groß, leuchtend gelblich-grün und erinnern mit den vielen kleinen Blüten an einen Blumenstrauß.

Blüte des Spitzahorns
Blüte des Spitzahorns
By Fungus Guy (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons

Ahornkeime finden

Im Februar und März keimen die am Boden liegenden Samenhüllen am Fuße von Ahornbäumen. Die anfangs weißen, später hellgrünen Triebe bohren sich in die Erde und richten sich auf. Mancher Keimling trägt zu Anfang noch die typische Ahornnase (Samenhülle) auf dem Kopf. Die Stengel sind dunkelrot und das noch zusammen gefaltete Köpfchen ist leuchtend hellgrün.

Ahornblüten und -Blätter ernten:

Im April sind die großen, leuchtenden Spitzahorn-Blüten nicht zu übersehen. Sie erscheinen noch vor den Blättern am Baum. Man pflückt die Blüten direkt vom Baum. Am Boden liegende sind möglicherweise schmutzig oder der süße Nektar vom Regen weggespült. Pro Baum nur wenige Blüten pflücken. Insbesondere bei jungen Bäumen. Bei Älteren kommt man i.d.R. nicht an die Blüten tragenden Äste heran.

Die Blätter des Spitzahorns werden geerntet, wenn sie im April noch ganz zart und frisch sind.

Rezepte mit Ahorn

(Sammlug wird stetig erweitert)
Feldsalat mit Ahorn-Keimlingen
Ahornkeimlinge im Reis
Bunter Frühlings-Salat mit Spitzahorn-Blüten und Buchweizen-Sprossen
Sauerkraut aus Ahorn-Blättern
Ahornsalat
Ahornblütensalat
Frittierte Ahorn-Blätter in Tempurateig

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veröffentlicht am: 24.03.2016

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6 Kommentar(e)

    • Danke, liebe Susi! Ich lerne ja selbst pausenlos dazu … 🙂
      Letztes Jahr hatte ich mich an den Blüten vergriffen, nachdem ich davon gelesen hatte. Anfang diesen Jahres stolperte ich im Internet dann über die Keimlinge. Zur Sicherheit im Buch geprüft. Da stehts auch. Sind halt etwas bitter.

  • Ahornblüten Nach einer eher kränklichen Woche war ich gestern auf den letzten Metern des UrbanGardening-FoodieMeetups als Zaungast zugegen, um einer Blogger-Freundin eine goldige weiße Rühschüssel (Foto) abzukaufen. Auf dem Heimweg gönnte ich mir bei b

  • Hallo, ich mag Ahornsirup super gerne. Ich denke er wird aus dem verdickten Blütenboden der Ahornblüte hergestellt – der enthält sog. Nektarien – würde gerne mal mit meinen Schülern ausprobieren, wie man so einen zauberhaften Sirup herstellt.
    Kann mir jemand einen Tip geben?

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