3-Gänge-Menü auf 2500 Höhenmetern

Diese Franzosen! Lassen es sich nicht nehmen, selbst in der abgelegensten Berghütte 3-Gänge-Menüs zu kredenzen. Zum Abendbrot, nachdem der Wanderer nach mehreren Stunden bergauf, bergab glücklich am Etappenziel angekommen ist…

© Wildkraut & Wanderschuh

Ich hatte das große Glück, von einer Freundin nach 5 Jahren Abstinenz trotz allerlei Widrigkeiten zu einer Bergtour überredet worden zu sein. Die Wahl fiel auf den Vanoise-Nationalpark in Frankreichs Nordosten. Wir waren Anfang September 6 Tage lang jeweils zwischen 5 und 10 Stunden auf Achse (bis auf einen Zwangspausentag), da wir mangels Fitness die angegebenen Laufzeiten nie schafften und uns wegen der herrlichen Szenerie sowieso gerne längere Verweil-Pausen gönnten. Wenn dann am späten Nachmittag die Puste knapp oder die Beine schwer wurden, freute man sich ungemein, hinter der nächsten Biegung oder als Pünktchen am Horizont die nächste Hütte auftauchen zu sehen. Hütte ist eigentlich das falsche Wort. Abgesehen von unserer ersten Unterkunft waren die meisten Häuser eher moderne, zweckmäßige Bauten…

© Wildkraut & Wanderschuh

Unabhängig wie modern und groß oder winzig klein die Behausungen waren, überall erwartete uns ein reich gedeckter Tisch. Besonders nett war, dass alle Gäste gemeinsam an einem bzw. mehreren großen Tischen platziert wurden und sich so zwanglos Gespräche ergaben. Das kannte ich von österreichischen und italienischen Hütten anders. Dort suchte sich jeder Wanderer einen Platz und bestellte wahlweise das preiswerte Bergsteigeressen oder a la cart. Die Strategie der Franzosen gefiel mir gut, da Gemeinschaft und Gespräch definitiv zu einem gelungenen Hüttenabend dazu gehören. Und ein 1/4 Liter Wein natürlich…
Je nach Hütte wurde entweder 18.30 oder 19.00 aufgetischt. Erst Suppe, dann ein Hauptgang mit Reis oder Nudeln (weil’s wenig wiegt und einfach zubereitet werden kann) und Fleisch bzw. Würsten. Anschließend ein kleines Dessert und zum Abschluss eine Ecke französischen Käse. Diese Käseecken hatten teilweise Größe und Form eines Briekäses. Anschließend fielen wir jeweils satt und zufrieden in unsere Kojen.

© Wildkraut & Wanderschuh

Der Speiseplan (Hauptspeisen):
1) Refuge La Dent Parachée regionale Würste (rosa) mit Tomatenreis
2) Refuge de l’Arpont: Reis mit Curryhuhn
3) Refuge du Col de la Vanoise: Reis mit Tomaten-Gulasch
4) Pausentag mit Wanderermenü (Cordon-Bleu aus der Packung, Pommes und Wein) in Pralognan
5) Refuge de Peclet Polset: Spaghetti mit Curryhuhn

Fotografiert habe ich nur in 2 Küchen. Man kann sich vorstellen, dass die Räume teils recht beengt und Organisationstalent gefragt sind.

Auch auf weniger Höhenmetern wird der Appetit des Wanderers / Besuchers angeregt. In Pralognan im ‚Les Clarines‘, einem Geschäft für lokale Spezialitäten, sowie in Modane in der ‚Boucherie Rittaud‘. Dort stöberten wir vor der Abreise durch Köstlichkeiten aus der Region, sowie anderen Ecken Frankreichs.

© Wildkraut & Wanderschuh

Eine Spezialität aus der unmittelbaren Nachbarschaft ist übrigens der Käse namens ‚Le Bleu de Termignon‘, welcher in kleinen Höfen und Käsereien nahe der Wanderhütte Refuge d’Entre Deux Eaux hergestellt wird. Die Käserei ‚Alpage Entre Deux Eaux‘ kann übrigens von Juni bis Mitte Oktober besucht werden. Den frischen Bleu de Termignon gibt es allerdings erst ab Herbst, da der Käse nach dem Almabtrieb der Kühe aus der Kuhmilch gewonnen wird.

Getränketechnisch sei noch der Likör namens Genepy (aus einer Gebirgspflanze gleichen Namens) erwähnt. Diesen gab es 2 Mal als Schmankerl auf den Berghütten. Selbst gemacht ist er seeehr lecker. Die käufliche Variante kann da leider nicht mithalten…

© Wildkraut & Wanderschuh

Ich hoffe, irgendwann noch einmal in diese wunderschöne Gebirgsregion zurück kehren zu können und mich noch gezielter durch die kulinarischen Angebote vor Ort zu schmecken.

Wanderbilder (auf Facebook)
David Labovitz erzählt über seinen ersten Le Bleu de Termignon (engl.)
Bleu de Termignon im Rezepte-Wiki
Pflanzenkunde: Genepy

veröffentlicht am: 23.09.2010

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