Foodblogger, Bürgerwehr und Vogelbeeren

Das Wochenende war voll voll. Voller Menschen, voller Herbstfarben und voller kreativer, schmackhafter Energie.

Vogelbeeren
Vogelbeeren
© Wildkraut & Wanderschuh

Das FoodBloggerCamp fand insgesamt zum dritten Mal und im Berliner Kochatelier Adlershof zum zweiten Mal statt. Ich war dank einer lieben Freundin schon letztes Jahr dabei und freute mich auf die Neuauflage. Zur Vorbereitung einer Session zum Thema essbare Wildpflanzen bin ich noch am Vorabend herumgeradelt und habe im Halbdunkel Nüsse aufgeklaubt, Beeren gekapert und Zweige gekappt. Die beiden Tintlinge haben leider den Transport nicht überlebt. Alle weiteren Schätze wurden vorerst auf dem Balkon geparkt, denn für den ersten Camp-Tag hatte ich Wichtigeres vor.

An jenem Samstag hatte ein breites Aktionsbündnis aufgerufen, friedlich gegen die geplanten und undemokratisch verhandelten Freihandelsabkommen mit der USA (TTIP) und Kanada (CETA), zu demonstrieren.
Ich bin deshalb am ersten FoodBloggerCamp-Tag nur zum Frühstück und zur Session-Planung geblieben und anschließend in die Stadt gefahren, die bereits von zig-Tausenden Menschen mit dem selben Ziel wimmelte. Die S-Bahnen waren überfüllt, der Hauptbahnhof ebenso. Deshalb musssten wir bereits eine Station früher aussteigen und ungeplanterweise wurde die Demo so zum Sternmarsch. 250.000 Menschen hatten sich aus den unterschiedlichsten Regionen aufgemacht, um der drohenden Diktatur internationaler Konzerne in Europa den Stinkefinger zu zeigen. Aus allen Himmelsrichtungen strömten unablässig bunte Menschenmengen und vereinigten sich mit dem eigentlichen Demonstrationszug zum nicht zu ignorierenden Bürgerwillen gegen geheime Pakte, bei denen Arbeitnehmerrechte, Artenvielfalt, Nutztiere, Lebensmittelstandards und auch der Mittelstand nur verlieren können. Ich bin froh, ein winziger Punkt im großen Ausrufungszeichen gewesen zu sein.

Das Regierungsviertel und der Tiergarten waren geflutet von Menschen. Es versammelten sich so viele Menschen vor dem Berliner Hauptbahnhof, dass die Polizei weitere Brücken öffnen und eine zusätzliche Demoroute einrichteten musste. Während Zehntausende bereits seit Stunden auf der Abschlusskundgebung vor der Siegessäule standen, waren tausende Menschen am Hauptbahnhof noch gar nicht losgelaufen.

(Quelle: BUND-Newsletter)

TTIP Stoppen
TTIP Stoppen
Foto: Jörg Farys / BUND
Creative Commons License
via flickr/BUND

Zurück im Kochatelier stärkte ich mich mit Resten vom Mittagessen, genoss den Merlot von Barefoot, den mir Kerstin von Gourmet Connection netterweise reichte und kam langsam wieder beim FoodBloggerCamp an. Gemeinsam mit Barbara (Barbaras Spielwiese), die ich zuletzt beim Event mit Sarah Wiener in der italienischen Botschaft gesehen hatte, und die diesmal unser Schlafgast war, verplauderten wir den Abend und kosteten uns durch die Tapas-Variationen am Nebentisch. Hut ab, was die Crew um Volker da alles aufgefahren hatte!

Am nächsten Tag wollte ich dann selber etwas zum FoodBloggerCamp beitragen und bot eine Session zum Thema essbare Wildpflanzen an. Mit der in diesem Jahr eher praktisch gelagerten Session, wollte ich neugierig machen, Schwellenangst nehmen und praktische Tipps für erste Schritte auf dem Gebiet der essbaren Wildpflanzen geben. Man muss kein Profi sein, um Brennnesselsuppe zu kochen …
Für Verhinderte und Interessierte berichte ich am Freitag ausführlich, was wir im Einzelnen besehen, beschnuppert und verkostet haben und wo man die entsprechenden essbaren Wildpflanzen aufspüren kann.

Aus den von mir beim Fernsehen und meinen Zuhörern während der Session gepuhlten Hagebutten bereitete eine spontan zusammen gewürfelte Küchen-Crew mit Hagebutten und Frischkäse gefüllte Brat-Pimentons mit Hagebutten-Apfel-Chutney zu. Danke euch für eure Ideen und köstliche Umsetzung! Wer da im Einzelnen mitgewirkt hatte, ist leider im Eifer des Gefechts an mir vorbei gegangen. Lasst mich das gern via Kommentar wissen, damit ich eure Blogs auf dem Radar behalten kann …

Hagebutten-Pimenton
Foto: B. Furthmüller

Außer unserem Kosthappen gab es mittags wunderbare Paella, Blumenkohlsuppe, Kohlrabisuppe und die vom Südtiroler Koch zubereiteten Speisen. Ein schon zu üppiges Mahl, da Teile davon leider entsorgt werden mussten. Wie man derlei Verschwendung künftig vermeiden kann, wird bereits konstruktiv diskutiert.

Nach dem Mittagessen begab ich mich in den 4. Stock, wo die theoretischen Sessions stattfanden. Hier erklärte Jan, seines Zeichens BarCamp-Organisator, wie man geklaute Bilder im Netz aufspürt, wann es Sinn macht einzuschreiten und welches Vorgehen er empfielt.

Abschließend wohnte ich Natalies Session über die Verwendung von Trello bei, die darlegte, wie dieses Projektmanagement-Tool auf für die Blog-Organisation und -Planung nutzbringend eingesetzt werden kann. Ist schon umgesetzt …

In anderen Sessions an diesem wunderbaren Wochenende wurde heftig gekocht, unter anderem portugiesisch mit Volle Lotte und Stockfisch, instruiert von GrillCamper Volker im Dutch Oven, mit dem Slowcooker unter Regie von Gabi und Ulrike, jede Menge Tapas, Paella, orientalischer Kürbis und vegane Suppen und Salate. Sonja von Amor & Kartoffelsack setzte mit ihren Leuten bizarre Kimchis an, während von der Mutter aller Sauerteige (von Küchenlatein) viele ST-Nachkömmlinge angesetzt wurden, die hoffentlich viele tolle Brote nach sich ziehen werden.

Damit sind wir beim Thema Backen. Hier gab es ebenfalls viele praktische Sessions wie die von Franziska (Dynamite Cakes) über das Verzieren von Cupcakes mit Fondant, Macaron-Herstellung (My Tasty Little Beauties), Dekoration von Halloween-Keksen, Pasteis de Nata, Tarte, veganen schwarzen Sesamkuchen bis hin zu Käsekuchen aus dem Slowcooker.
Gut gekühlt war die Session zur Eis-Herstellung von der Eismacherin, während es weiter oben wohl-temperiert und theoretisch zuging. Dort wurde besprochen, wie man Blogs von Blogger zu WordPress umzieht (Falls es da hakt, klopft gern an. Ich biete Webservices für Blogger.), wie das Thema Kooperationen angegangen werden kann, wie man das Meiste aus Instagram heraus holt, was zu tun ist, um Bücher im Selbstverlag erfolgreich heraus zu bringen und vieles mehr.

Danach kamen wir ein letztes Mal an den massiven Holztischen zusammen, um Marko und der Küchen-Crew des Kochateliers Adlershof, der Video-Crew vom Social Media Dinner, den Organisatoren und den Sponsoren (Bio Company, Südtiroler Spezialitäten, nu3, Barefoot-Wein, GLS-Bank und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu danken, die uns mit prall gefüllten Goodie-Bags die Tage nach dem BarCamp versüßen. Auch die nicht verbrauchten frischen Lebensmittel fanden freudige Abnehmer und wurden in meinem Falle bereits zu Paprika-Buchweizen-Reis-Pfanne und Mangold-Kartoffel-Eintopf verkocht. Schön, dass die Trocken-Ware einem Flüchtlingsprojekt gespendet werden konnte!

Summa summarum, waren die beiden Tage FoodBloggerCamp trotz manch wegen der Demo verpassten Session prall gefüllt mit netten Kennenlernen, Wiedersehen, Küchenexperimenten und aufgefüllten Wissenslücken.

Vielen Dank allen Beteiligten! Ich komme gern wieder. (Und ihr am Freitag bitte auch. Wegen ihr wisst schon …)

veröffentlicht am: 14.10.2015

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