Prater Biergarten

Prater Garten in Berlin

Berlin ist wie die aufgewühlte See. Lautes Rauschen. Schaum. Ständiger Umbruch. Neues wird an Land gespült. Strandgut zur Freude der Berlin-Pilger. Anderes zu Tage Getretenes wird, so schnell wie aufgetaucht, von unberechenbaren Wellen wieder fortgespült ..

Ich mag das. Weniger das Fortspülen, aber den steten Wandel. Während andere Städte mit solide gewachsener Distinguiertheit punkten, herrscht in Berlin ein anderes Punktesystem vor. Das der bunten Punkte… Große, kleine, grelle, verwaschene und ausgelaufene. Aber bunt!

Ein Punkt in der Berliner Landschaft, der angesichts seines Alters und im direkten Vergleich mit grell-schillernden Newcomern grau und verblichen anmuten müsste, tut dies ganz und gar nicht. Die Rede ist vom Prater, Berlins ältestem (und nach wie vor sehr angesagtem) Biergarten.
Dieses Fleckchen Zecherglück hat das wechselnde Farbenspiel der Zeiten unbeschadet überdauert. Er ist nicht nur noch da, sondern noch immer einer der zentralen bunten Punkte, die Berlin zu dem machen was es ist. Lebens- und liebenswert trotz allerlei Macken, Drecks und Unstetigkeit.

Prater
Prater
© Wildkraut & Wanderschuh

Schon 1837 soll an der Kastanienallee 7 mit dem Bierausschank begonnen worden sein. Belegt ist, dass der Pratergarten 1852 von einer Familie Kalbo erworben und ausgebaut wurde. Dem Antrag zur Aufführung von Lustbarkeiten bei dem Königlichen Preußischen Polizeipräsidium wurde 1869 statt gegeben und von da an war der Berliner Prater (ofiziell: Café chantant) kein simpler Biergarten mehr, sondern ein Ort für Unterhaltungen mit Sommergartenbühne und Veranstaltungssaal. Neuer Eigentümer des Praters wurde 1869 die Brauerei Pfefferberg, während Familie Kalbo weiterhin die Geschäfte führte und Hauptakteur blieb.

Durch an den Bedürfnissen jener Zeit orientiertem Programm und Angebot, hatte der Prater trotz massiver Konkurrenz eine wirkungsvolle Überlebensstrategie. Er wurde gleichzeitig Kneipe, Ausflugslokal, Varieté, Volkstheater, Ballsaal, Garten und Versammlungsort.

Die dann folgende wechselvolle Geschichte, getrübt von 2 Weltkriegen und gefärbt vom jeweils herrschenden politischen System, lässt sich detailliert bei Wikipedia und auf der Prater-Website nachlesen.

Heute besteht der Prater (im Herzen des Bezirkes Prenzlauer Berg, auch wenn der jetzt irgendwie anders heißt) als Restaurant und Biergarten.
Der Biergarten öffnet je nach Wetterlage schon ab 12, sonst später am Abend. Es gibt überdachte Plätze für Unerschrockene.
Am Abend gilt es zuerst ein Blechgewirr aus Fahrradständern und Fahrrädern zu durchdringen, bevor man am Ausschank sein Bier gezapft bekommt und sich an einer der vielen Bierbänke ein Plätzchen ergattert.

Prater Biergarten
Prater
© Wildkraut & Wanderschuh

Als ich im Sommer (falls man die wenigen warmen Tage dieses Jahres überhaupt so nennen kann) eine kleine Exkursion (siehe Kekstraum und DÄRI) durch Prenzlauer Berg machte, kam ich am Prater (nicht) vorbei.

Als Nicht-Biertrinkerin genehmigte ich mir in der freundlichen Nachmittagssonne einen Wein, der im Biergarten selbstverständlich nie schmeckt, aber wegen der Atmosphäre dann irgendwie doch. Vorherrschende Sprache war englisch. Aber vermutlich nur, weil die anwesenden Einheimischen ihre Bücher in Nasen und Zeitungen steckten, bzw. sich um Nuancen leiser unterhielten.

Mir war es recht. Jeder Tischnachbar willkommen. Die jungen Leute an meiner Bierbank stellten sich als australisches Pärchen heraus, dass den australischen Winter gern im Berliner Sommer verbringt. Dieses Jahr ein schlechter Tausch .. 😉

Ich beobachtete das Treiben, genoss Sonne, Small-Talk und meinen Tafelwein.
Zu nachmittäglicher Stunde waren die Fahrradständer vor’m Eingang noch mäßig gefüllt, freie Plätze an den unzähligen Biertischen waren problemlos auszumachen, sogar freie Plätze an der Sonne.

Biergarten Prater
Prater Berlin
© Wildkraut & Wanderschuh

Man bekommt im Biergarten auch zu futtern. Die Bedienung ist gelassen und freundlich. Auch die jungen Männer, die leere Gläser und Abfälle von den Tischen sammeln sind aufmerksam, flott und charmant.

Ein gut Teil des Biergartens ist von Kastanien überschattet. Schön zum Abkühlen und Chillen nach einem heißen anstrengenden Tag (sollte es denn mal wieder einen solchen geben) ..

Prater

Restaurant & Biergarten
10435 Berlin
Kastanienallee 7 – 9
www.pratergarten.de

Öffnungszeiten:
Biergarten
April bis September
je nach Wetterlage ab 12 od. 18 Uhr

Restaurant:
Montag – Samstag ab 18 Uhr
Sonntag ab 12 Uhr

veröffentlicht am: 02.09.2011

Ähnliche Beiträge

2 Kommentar(e)

kommentieren oder antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere, dass meine email-Adresse zwecks Spamvermeidung verarbeitet und gespeichert, aber nicht angezeigt, nicht für Werbung genutzt und auch nicht an Dritte weiter gegeben wird.