Böhmische Knödel – houskové knedlíky – mit Simones umamiger Pilz-Soße

Rezeptdetails

Böhmische Knödel, der Klassiker unserer böhmischen Nachbarn, werden mit deftig-umamiger Pilzsoße serviert. Da vermisst keiner Fleisch. Garantiert!

Autor: Petra Kupská,
Rezepttyp:
Rezept mit: , ,
Ernährung:
Länderküche:

zum Rezept | 07.01.2026 | 0 Kommentar(e)

Mein Herr Schatz hatte vor knapp 3 Jahren eine OP und sich super-schnell davon erholt. Ein paar Monate später entschloss er sich, dennoch eine Reha zu besuchen und nahm seine Gitarre mit. Die Gitarre hat uns Freunde für’s Leben eingebracht. Liebe auf den ersten Ton!

Mit den Reha-Freunden gab es seitdem regelmäßig Treffen mit guten Gesprächen, leckerem Essen, Gitarrenklängen und Gesang. Wegen starker Schmerzen, die längeres Sitzen unmöglich machten, fielen seit Herbst 2024 weitere Treffen flach. Was dann kam, wisst ihr ja…

Über ein halbes Jahr nach dem Tod meines lieben Mannes, hatte ich unsere Reha-Truppe zu mir eingeladen. Auf diese Weise konnte mein Liebling noch einmal mit seinen Freunden zusammen sein – sein Foto stand mittenmang auf dem Sofa – und wir stießen auf seinen leider nicht mehr erlebten runden Geburtstag an. Zu essen sollte es Böhmische Knödel geben, als Hommage an meinen lieben Mann, der Hefeteige über alles geliebt und sogar roh genascht hat. Für das Rezept habe ich extra einen Böhmischen Blog konsultiert. Zu den Böhmischen Knödeln sollte es Simones umamige, vegane Pilzsoße geben. Die hatte ich noch nie gemacht, aber sie klang sehr vielversprechend.

Auch wenn 2025 ein gutes Pilzjahr war, ist mir bislang noch kein essbarer Pilz im Freien begegnet. Deshalb griff ich für die Pilzsoße zu Champignons aus dem Regal. Da ich das Rezept nicht gründlich verinnerlicht hatte, schnippelte ich etwa die Hälfte der Pilze in Scheibchen, was verkehrt, aber kein Nachteil war. Im Endeffekt hatte man so viel Oberfläche zum Geschmack aufnehmen, Schlotzigkeit und zusätzlich Biss durch die restlichen nur geviertelten Pilze. Die in Simones Rezept verwendeten getrockneten Totentrompeten habe ich durch ebenfalls würzige getrocknete Shiitake ersetzt.

Soweit sogut. Was nicht (auf)gehen wollte, war der Hefeteig. Meine Küche glich schon der reinsten Sauna. Das Fenster war geschlossen, Herd und Heizung sorgten für Wärme. Trotzdem bleib der Teig davon ungerührt. Ich überlegte schon, ob ich noch einen Topf Kartoffeln kochen solle, um meine Gäste satt zu bekommen. Nach gutem Zureden und Platzierung direkt neben der Heizung, ließ sich der Knödelteig dann doch herab und nahm deutlich an Größe zu. Es schien mir immer noch etwas wenig für uns alle, aber aus meiner Erfahrung mit Böhmischen Knödeln, legen die auch im Topf nochmal ordentlich zu. So war es denn auch. Ich fischte 2 große Böhmische Knödel aus dem Topf, die wunderbar seidig und fluffig waren. Zusammen mit der Pilzsoße ein Gedicht!

Böhmische Knödel

Böhmische Knödel ist eine Sammelbezeichnung für tschechische knedlíky. Darunter versteht man eine Variante des Hefekloßes, der gedämpft oder gekocht und zu länglichen Laiben geformt wird. Weniger bekannt ist, dass dafür in Tschechien Dunst verwendet wird: Dunst ist eine Ausmahlung, die in der Korngröße zwischen eigentlichem Mehl und Grieß liegt. Die Verwendung von Dunst wiederum gibt ihnen die charakteristische Schnittfläche.


Ich habe Rezepte mit und ohne gerösteten Brötchen-Würfeln gesehen und beides auch schon gemacht. Die Variante mit den Brotwürfeln hat mir noch besser gefallen, da sie etwas zusätzliche Textur ins Spiel bringt.

In der klassischen Variante werden sie aus doppelgriffigem Mehl (gröber gemahlen), Eiern, Milch, Salz und oft mit Hefe oder Backpulver zubereitet. Nach dem Kneten und Ruhen wird der Teig zu Laiben geformt und im Dampf oder in leicht siedendem Wasser, direkt oder in einer Stoffserviette eingepackt, etwa 20 Minuten gekocht oder gedämpft. Die fingerdicken Scheiben werden traditionell mit Nähgarn abgetrennt.

Böhmische Semmelknödel (houskové knedlíky) werden aus einem Teig hergestellt, der zusätzlich zu dem oben beschriebenen klassischen mit Semmeln angereichert ist. Die Semmeln werden dem Teig feucht zerdrückt, in Würfel, oder als geröstete Würfel zugegeben. Böhmische Semmelknödel werden meist zu saucenreichen Gerichten wie Svíčková oder zu bratenfetthaltigen Gerichten wie Vepřo-knedlo-zelo (böhmischer Schweinebraten) serviert.

Wird ein Großteil des Mehls durch gekochte und zerdrückte Kartoffeln ersetzt, entstehen Böhmische Kartoffelknödel (bramborove knedliky), die als Beilage (vorwiegend zu Fleischbraten mit Bratensaft) genauso üblich sind. Beliebt sind sie auch (in Scheiben) nur in Butter oder Schmalz geröstet, früher ein „Arme-Leute-Essen“. Wird das Mehl ersetzt durch rohe Kartoffeln, sind dies die im weiteren Sinn auch grüne Klöße (tschechisch chlupaté knedlíky).

Meine Böhmischen Knödel waren klassischer Natur, also ohne Kartoffeln im Teig. Ich habe meine in Salzwasser gegart. Deshalb schreibe ich es im Rezept auch so. Man kann die zwei Laibe auch im Dampfgarer zubereiten, ähnlich wie Dampfnudeln.

Reste Böhmischer Knödel werden oft in Würfel geschnitten und mit Ei(ern) gemischt in einer Pfanne in Butter gebraten serviert. Ich habe meinen Rest in dünne Scheibchen geschnitten, Feta und Tomate dazugegeben, mit Olivenöl übergossen und im Backofen überbacken. Das war unorthodox, aber lecker.

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Rezept

Böhmische Knödel mit veganer Pilzsoße

Quelle: Blog Culina Bohemica, Blog S-küche
Vorbereitungszeit: 20 min
Zubereitungszeit: 1h

Zutaten

für 2 Knödel

Böhmische Knödel

1 Brötchen (2-3 Tage alt)
500g griffiges Weizenmehl (ich: Weizendunst)
1 Ei
10 g Frische Hefe (alternativ: 2 TL Trockenhefe)
½ TL Salz
½ TL Zucker
250 ml Milch (lauwarm)

Pilzsoße

1 Hand voll getrocknete Pilze (ich: Shiitake)
1 TL Zucker
500 g Champignons
1 große rote Zwiebel
3 Knoblauchzehen
2 EL Olivenöl (zum Braten)
1 EL Tomatenmark
100 ml Rotwein
1 TL getrocknete Salbeiblätter (fein gehackt)
1 TL Rosmarin (fein gehackt)
3 TL Petersilie (fein gehackt)
1 Lorbeerblatt
1 EL Sojasauce
200 ml Gemüsebrühe
1 EL Speisestärke
1 EL Aceto Balsamico
Salz
Pfeffer

Zubereitung:

Die getrockneten Pilze in heißer Brühe einweichen und 2 Stunden quellen lassen. Die Champignons zur Hälfte in Scheiben schneiden, die andere Hälfte vierteln (oder halbieren, je nach Größe). Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Für die Knödel das trockene Brötchen in Würfel schneiden (etwa 1 cm Kantenlänge).

Für den Knödelteig Mehl und 2 Prisen Salz in einer großen Schüssel vermischen. In der Mitte eine Vertiefung formen und Hefe in die Mulde bröseln. Eine Prise Zucker darüber streuen. Ein Drittel der lauwarmen Milch in die Schüssel gießen und mit einer Gabel mit etwas Mehl verrühren. 5 Minuten gehen lassen, bis sich die Hefe aufgelöst hat.

In einer anderen Schüssel den Rest Milch mit dem Ei verquirlen und zum Mehl geben. Alles zu einem glatten Teig verkneten. Falls der Teig zu klebrig ist, ein wenig Mehl zugeben. Wenn der Teig schön homogen ist und nicht mehr klebt, die Semmelwürfel unterkneten.

Die Schüssel mit einem Tuch abdecken und den Teig für 45 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

Inzwischen die Soße vorbereiten:
Die Shiitake in ein Sieb abgießen und die Flüssigkeit auffangen. Die Pilze mit einem Löffel ausdrücke und fein würfeln.

In einer großen Pfanne mit 1 El Öl ein Drittel der Pilze zusammen mit Zwiebeln und Zucker und den getrockneten Pilzen kräftig anbraten. Die Pilze aus der Pfanne nehmen.

Die restlichen Pilze in wenig Öl ebenfalls anbraten bis sie gebräunt sind. Nun den ersten Schwung Pilze wieder hinzugeben.

Knoblauch hinzufügen und leicht bräunen, Tomatenmark zugeben und mit rösten. Mit Rotwein ablöschen, alle Kräuter hinzugeben und den Rotwein weitestgehend einkochen.

Pilzbrühe und Sojasauce hinzugeben und 10 Minuten mitgaren.

In der Zwischenzeit die Speisestärke in wenig Wasser verrühren, unter die Pilze rühren und 2 bis 3 Minuten aufkochen. Sollte die Soße zu dick werden, mit etwas Brühe verdünnen.

Die Pilzsoße mit Pfeffer, Salz und Balsamico abschmecken.

Einen großen Topf mit kochendem leicht gesalzenem Wasser zum Kochen bringen. Den aufgegangenen Teig halbieren und beide Hälften zu länglichen Laiben formen. Jeder sollte etwa 20-25 cm lang und 10 cm dick sein.

Die Knödel in kochendem Salzwasser bei geschlossenem Deckel insgesamt 18 Minuten garen. Nach 9 Minuten wenden. Die gekochten Knödel vorsichtig aus dem Topf heben und ein paar Mal mit einer Gabel einstechen, damit der Dampf entweichen kann.

Sollten die Knödel nicht direkt serviert werden, die Oberfläche mit ein wenig Schmalz oder Butter einreiben. Auf diese Weise trocknen die Knödel nicht aus und bleiben schön weich.

Mit einem Faden, scharfem Messer oder Knödelschneider die Böhmischen Knödel in Scheiben schneiden und mit der Pilzsoße servieren.

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