Spaghetti Bovista

Gestern habe ich zum ersten Mal Bovist gegessen. Ihr wisst schon, diese kugeligen Pilze, die, wenn man drauf tritt stieben wie S**. Einige Arten kann man, wenn sie jung sind und das Fleisch fest und weiß, mit Genuss verspeisen.

Spaghetti mit Hasen-Bovist
Spaghetti Bovista
© Wildkraut & Wanderschuh

Bei einer zum Sommerausklang eingeschobenen kleinen Wanderung stolperten Wanderfreund C. und ich in einem Wiesen-Weinberg über strahlend weiße, ca. 10 cm weite ballonförmige Boviste. Hätte ich nicht erst einen Tag zuvor im Internet von der Zubereitung ebensolcher weißen Boviste gelesen, stünden die Pilze noch an Ort und Stelle. So aber mussten sie mit und wurden nach gründlicher Internetrecherche als eindeutig essbar verifiziert. (wichtige Hinweise für Nachahmer s.u.)

Stellte sich die Frage, was ich mit den Schönlingen anzufangen gedächte. Ursprünglich kam mir in den Sinn, die angenehm duftenden Pilze zu einem Brotaufstrich zu verarbeiten. Auf Nachfrage in meiner Lieblings-Kochverrückten-Gruppe auf Facebook, entspann sich eine interessante Diskussion über die teilweise Genießbarkeit von rohen Pilzen, aber zur Verträglichkeit von rohem Bovist konnte niemand Auskunft geben. Ach das Internet als Solches nicht. Also doch lieber, wie in Pilzlektüre empfohlen, panieren und braten. Oder???

Bovist
Boviste

Im Zusammenhang mit meinem laufenden Blogevent zum Thema Rapsöl
(#Rapsölution) räkelten sich die Gedanken um Rapsöl und Bovist und mündeten im Entschluss, Bovist zu raspeln, in mildem Rapskernöl zu frittieren und über eines meiner momentanen Lieblings-Nudelgerichte zu streuen. Pasta Bovista sozusagen …

Der ausreichend lange frittierte Bovist (dauert paar Minuten) wird knusprig und verliert nichts von seinem charmanten Aroma. Mir kam das Ergebnis fast trüffelartig vor. Ein wenig stand der zarte Pilz zwar in Konkurrenz zur Estragon-parfümierten Tomate, aber streut man genügend Bovist-Flocken auf die Pasta, schmeckt die Kombination hervorragend.

Die frittierten Bovist-Flocken dürften sich auch an Salat, Spaghetti aglio e olio und sogar auch Süßspeisen fein machen …

Sollte man kein entsprechendes Pilzglück haben, schmeckt das Nudelgericht auch (so hatte ich es das erste Mal zusammengewürfelt und für gut befunden), indem man anstelle der abschließenden Bovist-Flocken vorab getrockneten Waldpilz an die Soße gibt.

Rezept

Spahetti Bovista

Spaghetti mit einer Estragon-Tomaten-Schmelze und in Rapskernöl frittiertem weißen Bovist

Rezept:
Zubereitungszeit: 40 min

Zutaten (für 2 Personen):

½ Packung Spaghetti
2 Hasenboviste (Ø ca. 10 cm oder andere essbare Bovist-Art; alternativ 2 getrocknete Waldpilze)
4 Frühlingszwiebeln
3 große Tomaten (oder 4 kleine)
10 g Mandelplättchen
2 EL frische Estragonblätter (nach Geschmack)
¼ l Rapskernöl (kaltgepresst)
½ TL Zitronensaft (frisch gepresst)
Prise Zucker
Salz
schwarzer Pfeffer (frisch gemahlen)

Zubereitung:

Von den Bovisten die Haut abziehen und die Pilze anschließend mit der groben Reibe raspeln.
Das Rapskernöl in einem flachen Topf erhitzen. Wenn es heiß ist, portionsweise die Bovist-Späne frittieren bis sie eine goldgelbe bis hellbraune Färbung annehmen. Die Bovist-Späne auf Küchenpapier trocken und knusprig werden lassen.

Das Öl aus dem Topf etwa 3 mm hoch in eine trockene Pfanne geben.
Die Frühlingszwiebeln in schmale Ringe schneiden und im Öl ca. 5 Minuten anbraten.
Inzwischen die Tomaten achteln und in schmale Streifen schneiden. Die Tomaten zusammen mit dem Estragon (nicht gehackt) zu den Frühlingszwiebeln in die Pfanne geben. Salzen und Zucker zugeben.

Das Ganze 8 Minuten köcheln lassen. Inzwischen die Spaghetti aufsetzen und al dente garen.

Wenn die Tomatenstückchen weich sind, die Mandelplättchen (und ggf. getrockneten Walpilz, falls keine Bovistflocken vorhanden sind) einrühren. Zwei weitere Minuten köcheln.
Mit Zitronensaft, und Pfeffer abschmecken und ggf. nachsalzen.

Spaghetti und Tomaten-Sößchen auftun und Bovist-Brösel darüber streuen.

Ein feines, schnelles und zudem veganes Gericht, welches ich dem #tierfreitag …

tierfreitag

… und auch meiner eigenen #Rapsölution widmen mag.

**Warnhinweis** Nicht alle Boviste sind genießbar! Der Kartoffelbovist ist sogar giftig. Dieser sieht allerdings nicht weiß aus und verrät sich zudem durch unangenehmen Geruch. siehe auch:

Boviste unterscheiden

Kartoffelbovist und
Bilder vom Kartoffelbovist

Einige junge Bovist-Arten kann man essen, sofern ihr Fleisch noch weiß und fest ist.
Achtung, bei ganz kleinen runden Arten besteht Verwechslungsgefahr mit giftigen jungen weißen Knollenblätterpilzen. Unbedingt aufschneiden und prüfen, ob ein Lamellenansatz vorhanden ist. Falls ja oder im Zweifel, NICHT essen! siehe Beispielbilder (unten)

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