Vor der Currywurst sind alle gleich!

Endlich wird’s draußen wieder fluffig warm. Kräutertöpfe werden nach Überlebenden gescannt, neue Stauden im Katalog rausgesucht, dicke Jacken in die Waschmaschine und anschließend den Schrank gestopft und das bleiche Antlitz mit frischer Röte überzogen.

Endlich kann man auch wieder draußen speisen, ohne Erfrierungen beteiligter Gliedmaßen befürchten zu müssen. Uns haben unsere von der Mittagssonne beschienenen Nudeln heute gleich doppelt so gut geschmeckt.

Ohne Erfrierungen draußen essen kann man das ganze Jahr über bei Curry 36. Rot überdacht und von Heizpilzen aufgewärmt, umringt von Currywurst und Pommes mümmelnden bzw. sehnsüchtig darauf wartenden Menschen…

Gehört hatte ich schon viel von Curry 36. Ist neben Konnopkes Imbiss eine der Currywurst-Instanzen der Hauptstadt.
Als mich der Zufall im Winter auf den Mehringdamm verschlug, machte ich neugierigerweiße Halt bei Curry 36, um die Currywurst (was sonst?) zu testen.
Es gab sie mit und ohne Darm, bio und konventionell. Die Standardcurrywurst kostet 1,50, die Bio-Variante vom Apfelschwein nur 30 cent mehr. Letztere habe ich probiert. Natürlich OHNE Darm. Alles andere ist doch keine Currywurst, oder?

Zugegeben, ich bin kein Experte in Sachen Currywurst. In grauen Vorzeiten, als die Zugfahrt nach Dresden noch 6 Mark kostete, die Mauer noch stand und die Fachhochschule an der ich studierte, in derem Schatten, holte ich mir öfter ’ne Currywurst. Am S-Bahnhof Warschauer Straße, also am Ende der (damaligen) Welt…

Seitdem lebte ich mehr oder weniger zufrieden ohne Currywurst. Selbst nach der Lektüre vom Currywurst(ver)führer änderte sich daran vorerst nichts.
Nach der spontanen Kostprobe der Currywurst vom Apfelschwein bei Curry 36 werde ich das Currywurstabstinenzlerdasein aber nicht mehr vollends aufrechterhalten können.
Dafür war die Wurst zu gut. Ein echter Genuss. Wusste gar nicht, dass Currywurst dermaßen zart in der Konsistenz sein kann, aber die ist mir – ohne Übertreibung – regelrecht im Mund geschmolzen.

Die Pommes waren schön kross und – wie an den meisten Currywurstbuden – etwas überwürzt. Für ein echtes Currybudenerlebnis muss das aber so… Bei der Currysoße scheiden sich bekanntlich die Geister. Ich fand sie in Ordnung.

Was gibt’s sonst noch vom Curry 36 zu berichten?
Abgesehen von der namensgebenden Wurst gibt es auch reguläre Bratwürste, an die eine oder andere Boulette meine ich mich auch zu erinnern, ist aber eigentlich nebensächlich. Denn bei Curry 36 geht’s um die Wurst…

Ich fand die Atmosphäre richtiggehend angenehm. Vor der Currywurst sind halt alle gleich!
Egal ob Anzug-bewehrter Anwalt, staubiger Handwerker im Blaumann, Eheleute mit Alditüte, Touristen in feinen Stoffen oder zerknitterte ITler, die mal eben zwecks Nahrungsaufnahme hinter ihrem Laptop vorgekrochen sind: man rückt zusammen (wenn man seine Pommes nicht freihändig aufpieksen müssen oder im Regen stehen will) und spricht temporär die gleiche Sprache bzw. ignoriert sich freundlicher als sonst.

Ausgesprochen nett war die Bedienung. Beachtlich bei permanentem Andrang und schnellem Service. Trotzdem blieb Zeit für einen kleinen Scherz und freundlichen Blick. Hach!

Also, wenn ich mal wieder in der Gegend bin, ihr wisst schon…

Curry 36


Mehringdamm 36
Berlin Berlin

veröffentlicht am: 16.03.2012

Ähnliche Beiträge

Noch keine Kommentare vorhanden

kommentieren oder antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere, dass meine email-Adresse zwecks Spamvermeidung verarbeitet und gespeichert, aber nicht angezeigt, nicht für Werbung genutzt und auch nicht an Dritte weiter gegeben wird.