#sommeroffline – die Almhütte

Die Almhütte der Rötalm wurde in den 50er-Jahren gebaut und in den 80er Jahren von ihren heutigen Besitzern generalüberholt.

Almhütte der Rötalm
Almhütte der Rötalm
© multikulinarisches
Fenster der Rötalm
Stubenfenster
© multikulinarisches

Wegen fehlender Infrastruktur muss jeder Farbeimer, jedes Brett und jedes Schräubchen entweder per Hubschrauber oder per pedes die 500 Höhenmeter zwischen Tal und Hochtal überwinden. Selbst die Lärchenstämme, die von der Alm-Crew im letzten Sommer zu Feuerholz zurecht gestutzt wurden, kamen mit dem Hubschrauber. Das ist wohl auch der Grund, warum sich die Rötalm im Laufe der Jahrzehnte ihren urigen Charme bewahren konnte. Mit den von K. angefertigten Schindeln bedeckt, gluckt die Hütte am Ausgang der weiten Ebene des Röttals. Der von weiter oben kommende Wanderer kann sie schon von weitem anvisieren und sich auf selbst gemachte Buttermilch oder ein Bier vorm Abstieg ins Ahrntal freuen. Wer hingegen von unten heraufgeschwitzt kommt, braucht eh eine kleine Erfrischung oder Stärkung mit frischem Graukäse, Spiegeleiern mit Speck oder Kaiserschmarrn.

Röttal und Rötalm im September
Röttal und Rötalm im September
© multikulinarisches
Rötbach und Rötalm
Rötbach und Rötalm
© multikulinarisches

Die Hütte ist zweigeteilt. Im vorderen Teil aus Felsgestein wird im Vorraum mit Ruß-geschwärzter Decke dem Ofen eingeheizt. Auf dem alten Holz-befeuerten Herd wird Wasser warm gehalten und die saure Milch zu Quark. Einmal hat A. in Wagenrad-großen Pfannen auch darauf gekocht. Außerdem bereitet K. im Vorraum Käse und Butter zu.

Kochen auf em Holzkohle-Herd
Kochen auf em Holzkohle-Herd
© multikulinarisches

Die Küche nebenan mit Gasherd und Regalen bietet Alles, was wir für die Gästebewirtung brauchten und die gute Stube ist genau das: Eine Stube als unser Wohnraum und für Gäste, die wahlweise der prallen Sonne oder aber Kälte oder Regen entfliehen wollen.

Bestes Stück der Stube und überlebensnotwendig ist der weiß getünchte Ofen in Form eines liegenden halben Zylinders. Der Ofen bietet nicht nur an einer Schmal- sowie beiden Längsseiten Sitz- und Liegebänke, sondern oben drüber auch. An Regentagen ohne Gäste waren die Plätze am und auf dem Ofen heiß begehrt und boten Gelegenheit, bei einem Schlümmerchen von anstrengenderen Tagen auszuruhen.

Der hölzerne Teil der Hütte umschließt das Heulager, wo im Sommer nicht nur Heu lagert. Darunter lagerten die Kühe. Zumindest nachts jene, die gemolken wurden.

Heulager und Stall
Heulager und Stall (unten)
© multikulinarisches

Dietro de la casa, also hinter der Hütte, versteckt sich das Klo, das sich gar nicht verstecken muss. Ein top gepflegtes Plumpsklo mit Gardine. Wo gibts das schon?

Trog und Klo
Trog und Klo
© multikulinarisches

Womit wir beim Thema Wasser wären. Warmwasser war nich. Kaltes manchmal auch nich. Das hing davon ab, ob Frost oder was auch immer die handvergrabene Leitung vom Reservoire am Hang verstopfte bzw. verknotete. In den meisten Fällen lief hinten was, wenn vorne nix lief und andersrum. Und wenn wir schon mal beim Thema Ausstattung sind, Strom vom Generator gab es nur fürs Melken und Buttern. Der Rest (Beleuchtung und Handy aufladen) wurde von einer Solarzelle auf dem Dach bestritten. Bei trübem Wetter sah es trübe aus, aber ganz ausgegangen ist uns der Saft Gott sei Dank nie.

Häufig wurden wir von Gästen gefragt, wo wir (immerhin 5 Personen) denn alle schliefen, wenn nicht in der Stube. Dieses Geheimnis werde ich nicht im Detail lüften. Nur soviel, dass das eheliche Bett von K. Und A. bei sehr ungünstigen Wetterbedingungen auch schon mal einschneien kann. Mein Nachtlager befand sich hingegen Wind- und Schnee-geschützt unter der Stube, da wo früher mal ein Schweinestall gewesen war. Okay, ins Wäscheregal geschneit hat es mir auch mal, als das Wetter die ehemalige Schweineluke aufdrückte und ich es erst abends bemerkte. Ansonsten war meine – liebevoll Kabuff genannte – Behausung gar nicht übel mit großer Liegefläche (da passte beim Besuch im September mein Herr Schatz bequem mit drauf), der direkt durchs Fenster lugenden Rötspitze und dem großen Luxus einer gewissen Privatsphäre.

Kabuff
© multikulinarisches
Rötspitze im Kabuff
Rötspitze im Kabuff
© multikulinarisches

An schönen Vormittagen – zwischen Hausputz und Mittag kochen – saß ich gern draußen vor meinem Separé und las was Inspirierendes. Oder schrieb mir Gedanken, Wünsche oder alten Kummer von der Seele. Oder betete. Oder alles zusammen.

Muse auf der Rötalm
Muse auf der Rötalm
© multikulinarisches

Fortsetzung folgt.

—————————

mehr zum #sommeroffline:
Teil 1: von einer die auszog …
Teil 2: die Almfamilie
Teil 4: die Almtiere
Teil 5: das Wetter
Teil 6: die Produkte
Teil 7: die Sennerin
Teil 8: Gäste und Gerichte

veröffentlicht am: 18.10.2017

Ähnliche Beiträge

3 Kommentar(e)

  • Was für schöne Einblicke! Kennst du noch die Zeichentrickserie „Heidi“? Was hab ich sie immer um ihr rundes Fenster mit Blick auf die Berge beneidet. Auch wenn’s da ebenfalls manchmal arg eisig werden konnte im Winter. Mich würde mal interessieren, wie so euer Tagesablauf war. Aufstehen mit den ersten Sonnenstrahlen? Oder durftest du auch mal ausschlafen? Ich freu mich schon auf die nächsten Teile… PS: Graukäse ist SOOO köstlich!

    • Liebe Julia,
      ja und ja. Dazu mehr im ‚Sennerin-Teil‘. Ich merk schon. Das wird kein Bericht, sondern ein Roman. 🙂
      Die Heidi-Trickfilme kenne ich nicht wirklich. Dafür bin ich auf der falschen Seite der Mauer aufgewachsen. :-I

    • Ich kenne Peggy und Heidi sehr gut, sie sind die Tochter und Frau meines leider verstorbenen besten Freundes Klaus.
      Peggy hat ein grossartiger Werk vollbracht. Grosses Lob und Dank fuer Ihre Arbeit. Peggy alles grosse Klasse. Liebe Grüsse

kommentieren oder antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere, dass meine email-Adresse zwecks Spamvermeidung verarbeitet und gespeichert, aber nicht angezeigt, nicht für Werbung genutzt und auch nicht an Dritte weiter gegeben wird.