#sommeroffline – Gäste & Gerichte

Gäste gab es auf der Rötalm reichlich, liegt sie doch unmittelbar an einem populären Wanderweg.

Gäste der Rötalm
Gäste der Rötalm
©multikulinarisches

Dieser klettert aus dem Ahrntal steile 500 Höhenmeter hinauf zur Rötlam, mäandert dann durch die saftig-grüne Ebene des Röttals, um anschließend weitere 500 Höhenmeter zur Lenkjöchelhütte aufzusteigen. Von dort führt der Weg das benachbarte Windtal stetig hinab, wo sich am Ausgangspunkt Kasern der Kreis schließt.

Die Rötalm ist ein lauschiges Plätzchen um nach dem ersten steilen Aufstieg oder vor dem Abstieg ins Ahrntal ein Päuschen einzulegen. Das Gästespektrum reichte von Kleinkindern (halb hoch getragen, halb gelaufen) bis hin zu Senioren und Seniorinnen. Hut ab, wer mit über 70 den Weg zu uns rauf (und ggf. noch weiter hoch) schafft …
An geschäftigen Sommertagen waren nicht nur unsere Tische und Bänke voll belegt, sondern auch der angrenzende Hang bevölkert.

Wanderer – egal welcher Nationalität – sind in der Regel ein friedvolles und umgängliches Völkchen. Ich genoss es, an weniger hektischen Tagen, mit dem einen oder anderen Wanderer ins Plauschen zu kommen. Über schöne Touren im Ahrntal, unsere Route und das Wandern im Allgemeinen. Viele Besucher interessierten sich auch für die Alm, liebten deren Urigkeit und waren erstaunt, wie wir ohne Lastenaufzug klar kamen. Bis auf einen Gast mit einer sehr speziellen Beziehung zu Fliegen, fühlten sich Alle wohl und rundum gut aufgehoben. Keiner musste länger als 10 Minuten auf zumindest den ersten Teil der Bestellung warten. Wenn alle gleichzeitig Kaiserschmarrn bestellten (es braucht 2 Flammen pro Kaiser und die anderen Beiden waren für Eier oder Gulaschsuppe, sowie für Tee- und Kaffeewasser reserviert), dauerte es schon geraume Zeit, bis man in den Genuss desselben gelangte. Bei Hochbetrieb, oder wenn bei einsetzendem Regen plötzlich alle gleichzeitig im Vorraum im Weg standen, verlor ich auch schon mal den Überblick, welche Bestellung zu wem gehört. Aber auf einer Alm nimmt das Keiner krumm.

Gäste bewirten
Gäste bewirten
Foto: L. Benedikter

Den deutschen, österreichischen und südtiroler Gästen fiel schnell mein nicht in die Landschaft passender Dialekt auf, was immer wieder netten Gesprächsstoff gab. Dass alle Welt nach Berlin will, hat sich ja rumgesprochen, aber andersrum?

Vor dem Monat August hatte es mir etwas gegraut, denn im August macht Italien Ferien. Einen Gutteil Italiener zieht es dann aus den kochend heißen Ebenen in die Kühle und Saftigkeit der Berge. Demzufolge auch auf die Rötalm. Blöd, wenn der italienische Sprachwortschatz mit Ciao, Bambini und Cappucchino bereits erschöpft ist. Die Almmädchen und S. taten ihr Bestes, um mir italienische Zahlen und für die Bewirtung nützliche Vokabeln beizubringen. Tatsächlich konnte ich von Tag zu Tag mehr verstehen und interagieren, kam aber auch gegen Ende August nicht umhin, mindestens 3 Mal am Tag Io parle bog italiano aufzusagen, wenn sich die Gäste wunderten, warum ich ihrem Redeschwall nur wenige Brocken entnehmen konnte.

Buttermilch
Buttermilch und ich
Foto: L. Benedikter

Aufgetischt haben wir unseren Gästen typische Jausen-Gerichte. Käse am Brett, Kaminwurz, Hüttenteller, Gulaschsuppe, Omelett mit wahlweise Käse oder Preiselbeeren, was jeweils eigentlich gefüllte Eierkuchen waren, sowie Kaiserschmarrn.
Dazu kamen unsere eigenen Produkte, als da waren der Graukäse, den man in Südtirol traditionell mit Essig, Öl, Zwiebeln und Pfeffer isst, Butterbrot mit hausgemachter Butter und Gerichte mit dem Speck von unseren Schweinen. Der Speck war mit einer Marinade behandelt und sensationell lecker. Er hing in Schwarten an der Vorraum-Decke und wurde je nach Bedarf in Scheiben (für Speck am Brettl) oder dünnne Scheibchen (für Eier mit Speck) zurecht geschnitzt. Eine freundliche ältere Dame aus England meinte, dies wäre der beste Speck, den sie in ihrem ganzen Leben gegessen hat. Als K. erfuhr, dass besagtes Kompliment nicht von einer Italienerin, sondern Engländerin geäußert wurde, war selbst er beeindruckt.

Speck
unser Speck
© multikulinarisches

Beeindruckt waren wohl manche unserer Gäste auch über meine Motivation, einen Sommer unter sehr einfachen Bedingungen auf einer Alm zu leben und zu arbeiten. Manch Einer beneidete mich vermutlich auch um die Auszeit, denn wer hat nicht ab und an nötig, sich zu sammeln, zu sortieren, zu orientieren, aus dem Hamsterrad auszubrechen oder Dinge mit Abstand zu betrachten? Ich jedenfalls bin sehr froh, diese Gelegenheit (und den Mut) gehabt zu haben und hoffe, den Einen oder Anderen von Euch, zu mutigen oder ungewöhnlichen Schritten inspiriert zu haben.

Mit diesem Blogartikel beende ich den erzählerischen Teil zu #sommeroffline. Eventuell folgt später noch ein Resümee (Was bleibt) oder/und ein allgemeingültigeres Alm-FAQ für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, selber mal auf eine Alm zu gehen.

Übrigens sucht die Rötalm auch für den kommenden Sommer – optimistisch-statistisch betrachtet bestimmt mit freundlicherem Spätsommerwetter – eine oder einen HelferIn, um in Haus und Stall mit anzupacken, sowie sich um die auch im nächsten Jahr zahlreich zu erwartenden Gäste zu kümmern. Idealerweise für die gesamte Zeit von Anfang Juli bis Anfang Oktober. Bei Interesse stelle ich gern den Kontakt zur Familie B. her …

Das wars. Wenn euch die Lektüre meines Sommer-auf-der-Alm-Berichts inspiriert oder einfach nur Spaß gemacht hat, würde ich mich freuen, falls ihr Andere auf diesen Text hinweist. Denn, was nutzen die schönsten Worte, wenn sie kein Gehör finden? Danke! 🙂

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mehr zum #sommeroffline:

Teil 1: von einer die auszog …
Teil 2: die Almfamilie
Teil 3: die Almhütte
Teil 4: die Almtiere
Teil 5: das Wetter
Teil 6: die Produkte
Teil 7: die Sennerin

veröffentlicht am: 27.10.2017

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7 Kommentar(e)

  • Ach wie gern wär ich an so einem sonnigwarmen Tag auf Eurer Alm Gast gewesen und hätte mir ein Butterbrot und einen Teller Graukäse schmecken lassen! Himmlisch, diese Vorstellung.
    In Gedanken schmeckt mir`s schon wieder.
    Aber danach hätte ich Dir auf jeden Fall mit Begeisterung geholfen, wär mit Dir um die Wette gelaufen, um alle Wanderer glücklich zu machen mit Euren wunderbar natürlichen Produkten.
    Bin so froh, daß Du diesen Almtraum durchgezogen hast,
    echt `ne super Leistung!

  • Was für ein schöner, ausführlicher Bericht! Erstaunlich (und bewundernswert), dass es immer noch Familien gibt, die dieses harte Leben Sommer für Sommer auf sich nehmen und die Almen bewirtschaften. In unserem städtischen Komfortleben kaum vorstellbar … Ich hoffe sehr, dass Du dort oben ein bisschen von dem gefunden hast, was Du gesucht hast, und dass Du gestärkt und mit neuer Lebensenergie und -freude zurückgekommen bist! Das wünsche ich Dir jedenfalls.

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